Groß angelegte Übung im Vogelsbergkreis: Katastrophenschutzeinsatz in Wildflecken

Im bayerischen Wildflecken haben am Samstag rund 320 ehrenamtliche Kräfte des Vogelsberger Katastrophenschutzes eine groß angelegte Übung absolviert. Rund 80 Einsatzfahrzeuge aus dem gesamten Vogelsbergkreis rollten dafür in vier großen Kolonnen in Richtung bayerischer Landesgrenze und weiter zum Truppenübungsplatz Wildflecken.
Bereits die Anreise war Teil des Szenarios. Bei einer KFZ-Marschübung trainierten die nach Himmelsrichtungen aufgeteilten Verbände das Fahren in geschlossener Kolonne. Für die Maschinisten bedeutete dies nach Angaben der Übungsleitung höchste Konzentration, weil ein solcher Verband verkehrsrechtlich als ein einziges Fahrzeug gilt und besondere Regeln bei Abständen, Geschwindigkeiten und Funkdisziplin erfordert. Die Verbandsführer hatten im Vorfeld detaillierte Routen und geeignete Haltepunkte für die Fahrzeugschlangen ausgearbeitet.
Stationsausbildung auf dem Militärgelände
Auf dem Gelände in Unterfranken folgte eine intensive Stationsausbildung. Ziel war es, taktische Gesamtabläufe mit praktischem Training zu verbinden und die organisationsübergreifende Zusammenarbeit unter einer gemeinsamen Einsatzleitung zu festigen.
Auf dem Programm standen die Fahrerausbildung mit Großfahrzeugen im schweren Gelände, die Vegetationsbrandbekämpfung sowie der Aufbau von Hochwasserschutzsystemen mithilfe der Sandsackfüllmaschine des Landkreises. Weitere Stationen befassten sich mit der technischen Menschenrettung aus verschütteten Gebäuden und aus schwerem Gerät. Als besonderes Übungsobjekt diente dabei ein echter Panzer.
Unterstützung durch Bundeswehr, THW und Kreisverwaltung
Die Verantwortlichen dankten der Bundeswehr für die Bereitstellung des Geländes und die Begleitung vor Ort. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Übung mit zusätzlicher Manpower, technischer Expertise und schwerem Gerät. Auch die Mitarbeiter des Amtes für Gefahrenabwehr des Vogelsbergkreises leisteten wichtige Vorarbeit. Gemeinsam mit dem DRK-Ortsverband Lauterbach stellten sie am Samstag zudem die Verpflegung aller 320 Einsatzkräfte mit einem Mittagessen vom Grill sicher.
Die Übungsleitung bestand aus den Kreisbrandmeistern Thomas Stein, Tony Michelis und Andreas Leinweber. Unterstützt wurden sie von Stabsfeldwebel Christian Feibel, der als Verbindungsmann der Bundeswehr in der Übungsleitung fungierte.
Vorbereitung und Strukturen im Katastrophenschutz
Nach Angaben der Verantwortlichen sind landesübergreifende Großübungen nur durch monatelange Vorplanung möglich. Auch auf kommunaler Ebene war die Vorbereitung umfangreich. In der Woche vor dem Übungstag setzten die Leiter der Feuerwehren den administrativen Ablauf von der Vorwarnung über den Voralarm bis hin zum eigentlichen Alarm-Auftrag realitätsnah um. Dabei ging es unter anderem darum, welches Personal ausrückt, welche Einsatzmittel entsendet werden und wer die Führung des jeweiligen Zuges übernimmt.
Die Übung sollte zudem die Struktur des Katastrophenschutz-Konzepts im Vogelsbergkreis verdeutlichen. Es stützt sich auf 19 Brandschutzzüge der kommunalen Feuerwehren, ergänzt durch spezialisierte Gefahrstoff- und Dekontaminationszüge. Zwei Betreuungszüge sowie zwei Sanitätszüge, getragen von den DRK-Kreisverbänden Alsfeld und Lauterbach, dem MHD Herbstein und lokalen Ortsvereinen, sichern die medizinische und logistische Versorgung. Gesteuert wird das Netzwerk durch eine Technische Einsatzleitung sowie Einheiten für Information und Kommunikation.
Für die Bürger im Vogelsbergkreis besonders wichtig: Trotz der gebündelten Kräfte in Wildflecken blieb der reguläre Grundbrandschutz in allen Städten und Gemeinden des Kreises den gesamten Tag über sichergestellt.
Positive Bilanz am Abend
Am Abend zogen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Kreisbrandinspektor Marcell Büttner bedankte sich bei der Übungsleitung, den Stationsleitern sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Blaulichtfamilie, die sich den gesamten Tag für das ehrenamtliche Engagement freinahmen. Kreisbrandmeister Tony Michelis hob hervor, dass nach der langen Planungsphase alle Zahnräder ineinandergreifen konnten. Thomas Stein verwies auf die optimalen räumlichen Voraussetzungen des Militärgeländes für Einheiten dieser Größenordnung und lobte die unkomplizierte Verlegung ins Nachbarbundesland. Andreas Leinweber betonte den gewachsenen Zusammenhalt und das Teambuilding, das für den Katastrophenschutz essenziell sei.
Als sichtbares Zeichen der Anerkennung erhielten am Ende alle Teilnehmer ein eigens gestaltetes Übungs-Patch. Gegen 18 Uhr waren alle vier Verbände samt Material wieder sicher an ihren Heimatstandorten im Vogelsbergkreis eingetroffen.
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