Erzählfest startet mit „Ein Mord in Aha“

Unter dem Titel „Ein Mord in Aha“ ist am gestrigen Donnerstag das Erzählfest der Kulturmacherei Gunzenhausen gestartet. Erstmals fand eine Veranstaltung dieser Art im Rathausfoyer statt. Im Mittelpunkt des literarisch-musikalischen Abends stand Jakob Wassermanns 1920 erschienene Novelle „Adam Urbas“, die teilweise im Gunzenhäuser Ortsteil Aha spielt.
Zu Beginn musizierten Ruth Tuffentsamer an der Flöte und Almut Pfahler an der Geige. Sie spielten ein Stück des 1968 verstorbenen Gunzenhäuser Musikmeisters Otto Scheuernstuhl, das ursprünglich für ein Sextett komponiert und von Max Pfahler für Flöte und Geige bearbeitet worden war.
Nach der musikalischen Einstimmung begrüßten Markus Hofer, 1. Vorsitzender der Kulturmacherei, und Erster Bürgermeister Matthias Hörr die Gäste. Hofer dankte den Beteiligten und wies auf die nächsten Veranstaltungen des Erzählfests hin, darunter die Jugendlesung am 30. Oktober 2026 mit dem Autorinnenduo Melissa Hill und Anja Stapor.
Hörr betonte die Unterstützung der Stadt für Kulturveranstaltungen wie diese. Anschließend gab der ehemalige Stadtarchivar Werner Mühlhäußer einen Einblick in das Leben und Wirken Jakob Wassermanns sowie dessen Verbindung zu Gunzenhausen. Wassermann war in den 1920er-Jahren ein gefeierter Bestsellerautor von internationalem Rang und stand nach 1933 auf der schwarzen Liste. Aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen hielt er sich regelmäßig in Gunzenhausen auf und verbrachte dort seine Ferien. Der Ort und seine Umgebung fanden mehrfach Eingang in sein literarisches Werk, unter anderem in „Der niegeküsste Mund“ und „Mein Weg als Deutscher und Jude“.
Erzählfestorganisator Peter Schnell fasste die Handlung von „Adam Urbas“ zusammen und las Passagen aus dem Werk vor. Stadtarchivarin Maria Dechant nahm die Erzählung zum Anlass, Familienideale und Rollenbilder im Wandel der Zeit zu betrachten. Manuel Grosser ordnete die Novelle aus literaturwissenschaftlicher Sicht ein und beschrieb sie unter anderem als Erzählung über die Suche nach Identität, Orientierung und persönlicher Verantwortung.
Zwischen den Programmpunkten sorgten Ruth Tuffentsamer und Almut Pfahler mit weiterer Livemusik für Übergänge. Den Abschluss des Abends bildete ein Schlusswort von Matthias Hörr. Die Kulturmacherei veranstaltete den Abend in Kooperation mit der Stadt Gunzenhausen. Das vollständige Programm des Erzählfests ist unter www.diekulturmacherei.de abrufbar.
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